Schilda lässt grüssen

Essener Possen um Energie,
Verschwendung, Kunst am Bau und
Parkplatzprobleme

„Über die Schildbürger sagt man, dass sie einst ein neues, pompöses Rathaus bauen ließen. In seinem Eifer hatte der Architekt jedoch glatt die Fenster vergessen und das Rathaus war innen stockfinster. Da versuchten die findigen Schildbürger mit Eimern das Sonnenlicht einzufangen und ins Innere zu tragen“

Eimerweise wird man das Licht wohl nicht in die zusätzlich geplanten, unterirdischen Kongresshallen der Messe Essen schaffen.

Die Finsternis kann man heute mit elektrischen Leuchtstoffen erhellen.

„Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose“, hieß es in den Achtzigern.

Energie spielte damals keine Rolle, als der SPD OB Katzor das einst höchste Rathaus Europas, welches sich die Stadt für 350 Mio. DM gegönnt hatte, zusätzlich mit einem teuren Laserstrahl ausstatten lies.

Hohn und Spott erntete er für die dünne, grüne Lichtlinie, die den Essener Nachthimmel nur kurze Zeit zierte.

„Die Innenstadt ist kalt und öde, am Himmel OB Katzors Laser-Dödel“ sprühte ein unbekannter Künstler als Graffiti an die Kruppschen Hallen in der heutigen Weststadt. Ist Kunst am Bau kostenlos, ist sie meist ein Straftatbestand.

Über 30 Jahre später liefert der Essener Energieversorger RWE den Strom für das 43 Mio. teure neue Stadion, das unser aktueller SPD OB dem lokalen Fußballverein und seinen Fans gegönnt hat. „Stadion Essen“ heißt das neue Aushängeschild der Stadt, das zwischenzeitlich auf Dieselstrom umgestellt werden musste, da alle Steckdosen unter Wasser standen.

Diesel- oder Braunkohlestrom vom Energiewendenbremser RWE  – solange der Ball rollt und der Sponsor zufrieden ist, stört das in Essen niemanden. Die fast eine Mio. Euro jährlichen Betriebskosten zahlt im Zweifelsfall eine städtische Tochter. Wer braucht schon beheizte Becken im öffentlichen Hallenbad, wenn das Stadion unter Wasser steht?

Auch das für 55 Mio. Euro neu gestylte Folkwangmuseum wird vermutlich nicht mit Ökostrom betrieben. Und in die neue Tiefgarage des Museums wird das Licht sicher nicht in Eimern angeliefert. Um die Stromrechnung des Museums, muss sich der edle Spender des restlichen Umbaus, Herr Beitz, eh keine Sorgen mehr machen.

Das unterirdische Parkhaus hat die Stadt aus dem eigenen Schuldenberg bezahlt und die Betriebskosten selbstverständlich auch.

Ebenerdig ist das Parken auf den Messeparkplätzen an der A52 möglich. Unterirdisch war der Raum bereits mit dem größten Gaslager Europas belegt.

Hier horten die Essener Stadtwerke ihre Energie. Weil das ziemlich gefährlich sein kann und laut Verwaltungsgericht auch verboten gehört, öffnet man den Parkplatz zur Sicherheit nur zu den Messen. Beleuchtet wird natürlich durchgehend. Mit Strom. Aus der Steckdose.

Wen wundert ‚s, dass zum 123 Mio. Teil-Neubau der Messe Essen, ein Parkhaus geplant ist. Separat finanziert, aus der Stadtschuldenkasse, versteht sich.

Denn die Messebesucher, auch nicht die, der letzten großen Messen, die Essen treu geblieben ist, die Reitermesse Equitana, kommen nicht umweltbewusst, etwa zu Pferde nach Essen. Autoverkehr ist Willkommen. Busse und Bahnen kann sich die Stadt bald eh kaum noch leisten.

Schließlich muss die Messe schöner werden.
Und die Steckdosen sind auch nicht mehr auf dem
neusten Stand.

Das Messehaus Süd sei hässlich, erklärt der verantwortliche Chef fürs Bauwesen der Messe, Roland Weiß.

Deshalb wird das Gebäude nach 20 Jahren wieder abgerissen und neugebaut. Ein Messeumbau ist natürlich keine „Änderungsschneiderei“ und Graffiti- oder Laserkunst scheint keine Option.

Für die Schönheit der Messe hatten wir doch Kunst gekauft, oder?

„Energie“, heißt es nicht zufällig, das bunte, 60teilige, große Glas-Fenster, das sich die Messe Essen vom Düsseldorfer Künstlerfürsten Immendorff für „teuer Geld“ gestalten ließ.

Den Versuch damit ein bisschen Düsseldorfer Schick nach Essen zu holen, kann man wohl für gescheitert erklären..

Was die Witwe von Immendorff dazu sagt, wenn „Energie“ im Rahmen des Umbaus einen neuen Platz bekommen soll, kann ich nur vermuten.
Immendorff war eitel und Geschäftsmann genug, sein Werk umfangreich vertraglich zu schützen. Ein neues passendes Fenster zu bauen und die Glaskunst umzuziehen, würde jedenfalls ein ebenso teures wie schwieriges Unterfangen.

Was man hier an Fenster zu viel hat, kann beim geplanten Kellerausbau eingespart werden, hat sich die clevere Architektin gedacht und plant einige Kongresshallen unterirdisch. Licht kommt dort, wer hätte das gedacht, aus der Steckdose. Der Lieferant ist bekannt.

Wer weiß, wie 2032 das Wetter ist, wenn endlich die Leasingverträge auslaufen, welche die Messe an amerikanische Investoren binden.

Sollte die Messe vorher Pleite gehen, freuen die US Anleger sich schon auf mindestens. 80 Mio.. € Schadensersatz.

Vielleicht wird Essen ja dann die erste Stadt mit unterirdischen Grundschulen und Kitas, wenn man verzweifelt eine neue Nutzung für die Messekatakomben sucht und der Klimawandel in Kellern besser zu ertragen ist.

Wie kann man da annehmen, es wäre möglich in Essen einen nachhaltigen, sparsamen, ökologisch verantwortungsvollen, Ressourcen schonenden Messeumbau zu realisieren, modern klimatisiert, mit 100% Ökostrom und durch innovative  „grüne“ Architektur natürlich mit der Gruga verbunden?

Wie kann ich nur erwarten, die Machthaber könnten lieber Schulden für Schulen, als für Parkhäuser machen?

Das bräuchte schon eine ordentliche „politische Energiewende“.

Am 19.1.2014 ist Bürgerentscheid.
Wie wär‘s?

mehr Infos:
http://www.derwesten.de/staedte/essen/streit-um-kunstglasfenster-von-joerg-immendorff-bei-messe-essen-id7982596.html
http://gruppen.greenpeace.de/essen/energiewende.html
http://www.messe-buergerbegehren.de/

 

3 Antworten auf „Schilda lässt grüssen“

  1. „Vielleicht wird Essen ja dann die erste Stadt mit unterirdischen Grundschulen und Kitas, wenn man verzweifelt eine neue Nutzung für die Messekatakomben sucht und der Klimawandel in Kellern besser zu ertragen ist.“

    also wenn das so läuft wie mit der Bärendelle dann steht das eher leer als das was passiert…

  2. Messe besetzen- super! Alternative Bürger Messen zu den Themen: – So leer ist unser Kühlschrank-Kunststoffrequisiten zu dumping Preisen, – Weihnachtsgeschenke aus alten Ohrenstäbchen ansprechend gestalten oder- Urlaub an der A 40-gesunde Bräune durch Feinstaub , oder die Messe mit regionalübergreifender Wirkung- Alternative Kinderverwahrung- von der Legebaterie zur Bodenhaltung,

    Messen an der Lebensrealität der Menschen orientiert : KLASSE

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