Flüchtlingspolitik: Zwischenreport Optipark

Flüchtlingskinder in der Erstaufnahme in Essen, Oktober 2014

 

 

 

 

 

 //dieser Zwischenbericht schildert die Lage in der Erstaufnahme des Landes NRW im Oktober 2014 – seitdem haben durch eherenamtliches Engagement und durch hartnäckige Medienberichterstattung einige Verbesserungen der Situation stattgefunden.// (A. Jujol im Januar 2015)

Heute haben in der Noterstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge des Landes NRW im Essener Gewerbegebiet Optipark junge Leute eine Solidaritätkundgebung organisiert.
Sie haben Obst und Süßigkeiten für die Kinder mit gebracht und mit mehrsprachigen Wortbeiträgen ihre Anteilnahme und Empörung über die Zustände zum Ausdruck gebracht.
Die beschämenden Normalzustände deutscher Flüchtlingspolitik bekommen nun langsam immer mehr Öffentlichkeit.
Es war sehr schön die glücklichen Gesichter zu sehen.

Weil nun bei Westpol der Fokus der Berichterstattung gewechselt hat und mir zahlreiche Berichte vorliegen, hier nun eine Zusammenfassung zur Lage im Optipark Essen.
In Essen sind die Duschen defekt und es gibt überwiegend nur eiskaltes Wasser.
Seit 2 Monaten ist die Kleiderkammer nicht in Betrieb und viele Menschen haben nur die notdürftige Kleidung, die sie am Leib tragen, teils keine Schuhe.
in der Kleiderkammer, die in einem desolaten, verdreckten Zustand ist sammeln sich die gefüllten blauen Säcke bis zur Decke.
Das Essen war bis zur Aufdeckung der Missstände völlig frei von Gemüse oder Obst.
Vor einer Woche hat unter dem Druck der Öffentlichkeit der Essens-Anbieter gewechselt.
Die Ausgabe von Hygieneartikeln ist mangelhaft.
Zugang zu spezieller Babynahrung und Kindernahrung gibt es immer noch so gut wie gar nicht.
Das Spielzimmer ist immer verschlossen.
Es gibt kein Radio, Fernsehen oder Telefon, keine mediale Verbindung zur Außenwelt.
Bis zur Auswechslung der Security wurden die Bewohner willkürlich misshandelt und drangsaliert oder hatten Glück, weil einige Wachmänner mitfühlende Menschen waren, mit denen dann sogar Freundschaften entstanden.
Mindestens 4 Anzeigen wegen Körperverletzung liegen vor. Ein Anwalt wurde eingeschaltet.
Die Auszahlung des Geldes durch die Bezirksregierung erfolgt intransparent und hat erst vor zwei Tagen begonnen.
Bis dato hatten Flüchtlinge nur die Möglichkeit durch Putzarbeiten für 1,05 Euro pro Stunde Bargeld zu bekommen, um nötige Dinge zu kaufen.
Nötige Dinge sind dann, (für die weniger phnatasiebegabten), Unterwäsche, Telefonkarten, Tampons, Saft oder andere Vitaminnahrung für Babys usw.) nur für die erreichbar gewesen, die einen solchen 1,05 Euro Job bekommen haben.
Das ist für schwangere, alte und kranke Menschen unmöglich.
So haben bisher nur wenige Menschen durch Putzdienste Zugang zu Bargeld gehabt. Auch hier berichten sie von der Willkür der Heimleitung bei der Vergabe von Jobs. Die Flüchtlinge berichten, das es daneben keinen externen Dienstleiter für Reinigungsarbeiten gibt.
Nur zum Verständnis: Flüchtlinge dürfen sich kein Essen zubereiten aber das gesamte Haus und die Sanitäranlagen selbst reinigen.
Es gibt keine Möglichkeit seine Wertsachen zu verschließen.
Die Reisepässe und Flüchtlingsausweise wurden von EHC vor zwei Wochen eingezogen und sind immer noch nicht wieder ausgegeben worden. So können sich Bewohner nicht frei bewegen, denn wenn sie von der Polizei aufgegriffen werden, müssen sie womöglich bis zur Ermittlung der Identität ins Gefängnis.
Ich könnte die Liste noch erweitern.
Ich beziehe mich auf Augenzeugenberichte von Flüchtlingen, Helferinnen und ehemaligen Security Mitarbeitern.
Fakt ist auch, weder der Essener Oberbürgermeister Herr Pass noch der Sozialdezernent Herr Renzel haben sich die Mühe gemacht, mit den Menschen im Optiparkt zu reden und mindestens ihr Mitgefühl auszudrücken.
Die schweren Vorwürfe der Diskriminierung und Drangsalierung und Unterversorgung bleiben von den kommunalen Amtsträgern unbeachtet.
Die örtliche Presse beschwichtigt und veröffentlicht ohne Gegenrecherche die Verlautbarungen der Pressesprecherin von EHC und des Leiters, der gleichzeitig 5 weitere Einrichtungen betreut und immer noch zu runden Tischen eingeladen wird (jetzt am Freitag), unter der Fragestellung, wie in Essen eine Willkommenskultur etabliert werden könne.
Da es sich ja “nur” um Flüchtlinge handelt, vermute ich subtilen Rassismus, hinter dieser Ignoranz und Heuchelei.
EHC arbeitet in anderen Essener Einrichtungen, die durch die Kommune Essen betrieben werden, immer noch mit dem Wachdienst SKI,der in Burbach und Essen für Gewalt verantwortlich war, wie der WDR heute berichtete.
Welche Konsequenzen ich unmittelbar als Ratsfrau und Essener Bürgerin aus meinen Erkenntnissen ziehen soll muss und kann, werd ich täglich neu probieren.
Jedenfalls hat die Veranstaltung heute gezeigt, das Willkomenskultur aus kleinen Gesten besteht, wie das Verteilen von Schokolade an Kinder, oder einen kurzen Gespräch in dem man die Vornamen austauscht.
Was Herr Martini am runden Tisch erzählt hat, ich will es gar nicht wissen.

Stéphane Hessel hat 2011 seine Streitschrift in Essen in der Lichtburg präsentiert.
Ein unvergessener Abend.
Sein Ruf muss jeden Tag lauter ertönen, bis der Aufstand des Gewissens endlich beginnt!

EMPÖRT EUCH!

 

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