Protestkunst ist notwendiger Trend

Protestkunst ist ein Trend. Eine notwendige und befreiende, kreative Form die Verhältnisse wirkungsvoll zu reflektieren.
Das ist dringend nötig in einem System, das Kunst in seine Märkte vereinnahmt und politische Kunst zur Ware macht, wie alle anderen Kunstformen.

Der Spiegel berichtet just am Tag über das Thema, als ich in Düsseldorf mit anderen Occupy Aktivisten die Protestkunstperformance “Tanz um das goldenen Kalb” veranstaltet habe . Im Interview sagt der Aktionskünstler Peter Weibel:

“Wir machen den Versuch, uns von der klassischen politischen Kunst abzusetzen. Mein Lieblingsbeispiel sind Pussy Riot: Die haben in einer Kirche performt, nicht im Museum und in keiner Galerie, und die Botschaft war politisch und nicht ästhetisch. Trotzdem hat es – auch durch die virale Verbreitung der Medien – eine enorme Wirkung gehabt. Das ist aktivistische Kunst, die über politische Kunst hinausgeht, weil sie kein verkaufbares Produkt hinterlässt. Kunst ist seit Action Painting, Happening, Performance und Body Art auch Handlung. Kunst ist mehr als das, was die Leute auf dem Kunstmarkt sehen.”

Zum Artikel

Bereits 2011 habe ich in einem Artikel meine eigenen Einsichten dazu in einem Artikel “Occupy Art” zusammengefasst, der unter anderem in der Wochenzeitung “der Freitag” veröffentlicht wurde.

KAPITAL & KIRCHE: Rendite versus Moral – Redebeitrag, goldenes Kalb, Dez 2013

Redebeitrag von Doris Dams (Occupy Düsseldorf)

KAPITAL & KIRCHE: Rendite versus Moral’

Die Aufregung über den Limburger Bischof war groß: 31 Millionen Euro hat Tebartz van Eltzt in den Bau seines neuen Amtssitzes gesteckt. Deshalb wurde er vom Papst in ein bayerisches Kloster verbannt, wo er bis heute sitzt. Doch 30 Mio. Euro. das ist für unsere Kirchenfürsten gar keine ungewöhnliche Summe. “KAPITAL & KIRCHE: Rendite versus Moral – Redebeitrag, goldenes Kalb, Dez 2013” weiterlesen

Alternativlose Ausbeutung? Redebeitrag zur Protestkunst “Goldenes Kalb” Dez 13

Gastbeitrag: MOMO (Occupy Düsseldorf)
Hallo liebe Menschen
wir stehen hier nun nahe des nagelneuen “Apple”-Flagshipstore mitten in Düsseldorfs prunkvoller Innenstadt, umgeben von etlichen weiteren Orten des Konsums wie zb. C und A, Primark, H und M und viele mehr. Orte, wo Menschen hingehen um sich Waren anzueignen die sie entweder auf ihrer Haut tragen, sie als Accessoire benutzen oder damit mobil ins Internet gehen. “Alternativlose Ausbeutung? Redebeitrag zur Protestkunst “Goldenes Kalb” Dez 13″ weiterlesen

kreativer Spagat

Der Begriff der “Selbstvermarktung” ist mir ein Greuel.
Allerdings ist Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit heute ein wichtiger Aspekt der künstlerischen Positionierung und damit auch zur Eröffnung von Vertriebsmöglichkeiten der Ware “Kunst”. Wann wird man selbst zur Ware oder wie behauptet man sich als Künstler im virtuellen öffentlichen Raum sowie in realen Öffentlichkeiten? “kreativer Spagat” weiterlesen

Leitung der Kunstwerkstatt, Diakoniewerk Essen

Seit September betreue ich mit einer halben Stelle die Kunstwerkstatt des Diakoniewerks Essen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit als Künstlerin ohne therapeutische Vorkenntnisse, liegt in der Anleitung zur künstlerischen Umsetzung von Ideen, Phantasien und Sehnsüchten. Ich hatte nur diffuse optimistische Erwartungen an diese Arbeit. Nach den nun vergangenen Wochen bin ich sehr beeindruckt von den vielseitigen Erfahrungen, die ich machen konnte.
Ganz ohne zu Romantisieren kann ich feststellen, dass ungehemmte Kreativität mit geistiger “Normalität” nichts zu tun hat. Allein die “üblichen” Techniken und Umsetzungsmöglichkeiten bleiben oft unerreichbar für die meisten Bewohner der Einrichtungen. Das was jedoch entsteht ist ebenso gebunden an Inspiration und Konzept, wie bei “echten” Künstlern auch. Nicht bei allen natürlich, aber bei einem Anteil. Es gibt die “Hobbymaler” und die die sich als Maler/innen bzw. Künstler mit best. Thema und Technik-Repertoire auffassen (Filmemacher, Maskenbildnerin etc.). Im September zur Kunstspur haben wir bei “Karo Kunst in der Kasteienstraße” eine Auswahl der Arbeiten gezeigt. Jetzt dürsten die Bewohner nach einer neuen Möglichkeit die Ergebnisse ihrer Arbeit zu präsentieren. Wenn also jemand Ausstellungsräume (Foyer im Büro oder Behörde, Galerie etc.) zur Verfügung stellen möchte, würden wir uns sehr freuen. Professionelle Rahmung der Arbeiten, Organisation von Vernissage, Pressarbeit etc. würden wir natürlich übernehmen bzw. unterstützen. Wenn Künstler Interesse haben gegenseitige Werkstattbesuche ev. gemeinsames Arbeiten zu organisieren und sich auf das Hype Thema Inklusion wirklich mal einlassen wollen, freue ich mich sehr. Neugierige sind herzlich eingeladen.
Über persönliche Nachrichten oder E-Mail bin ich für alle Fragen offen (anabel@jujol.de)

 

Blockupy 2013 „Worum es geht?

Worum es geht, wenn man nach Frankfurt fährt zur Blockupy Demo kann ich letztendlich nur für mich beantworten.

Ich möchte dies tun, weil im Moment durch die Polizeieskalation inhaltliche Aspekte des Protests zu wenig diskutiert werden.

Auch bin ich genervt, von den Nörglern und Zögerern, die vom Namen angefangen,  an der Veranstaltung ewas auszusetzen haben, um formale Gründe zu finden, nicht mit anderen gemeinsam zudemonstrieren, obwohl sie die jetzigen gesellschaftlichen Verhältnisse genauso kritisieren, wie viele andere.

Ich habe Menschen gesehen, die gerne im Verbund und mit Fahnen gemeinsam auftreten. Ich habe Menschen gesehen die sich eine Botschaft auf das T-shirt,auf den Körper, auf ein Schild geschrieben haben. Ich habe Menschen gesehen,die sich verkleidet haben oder ganze Skulpturen gebastelt haben, um damit eineBotschaft auszudrücken.

Bei all diesen Menschen habe ich Botschaften des Widerstands und der Hoffnung gelesen und gesehen, die ich gut und richtig finde.

Auch wenn ich manche Methoden, die Ziele, Ideologien oder die Organisationen mit denen einige verbunden sind nicht uneingeschränkt gut oder richtig finde.

Ich bin glücklich, dass es Menschen gibt, die mit mir gemeinsam gegen dasselbe sind:

Dagegen, dass unsere Umwelt und Natur zerstört wird, ob zur Energiegewinnungoder um z.B. Bahnhöfen oder Shoppingmalls zu weichen oder weil die Agrarwirtschaftmit Pestiziden und Genmanipulation arbeitet.

Dagegen, dass Tiere massenhaft gequält werden, um billige und zudem schlechte, sogar gesundheitsgefährdende Nahrungsmittel herzustellen.

Dagegen, dass in den verarmten Ländern der Welt, Waren unter den unvorstellbarsten und sogar tödlichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, um in den reichen Nationen als Luxus- oder Billigware angeboten zu werden.

Dagegen, dass an Börsen mit Rohstoffen und Lebensmitteln spekuliert wird und die Börsianer damit den Hunger in der Welt zu einem Gewinnspiel für Aktionäre machen.

Dagegen, dass ein Großteil der Menschheit in Armut lebt und eine kleine Minderheit in Reichtum schwelgt und dass dieser Gegensatz immer extremer wird.

Dagegen, dass alle Lebensbereiche zur Ware werden. Kultur, Bildung, Gesundheit,Umwelt, Soziales und Persönliches: Alles kann und soll zu jeder Zeitgewinnbringend vermarktet werden können.

Dagegen, dass Werte wie Solidarität und Verantwortung, zu “Teamgeist und Leadership” in Unternehmen werden und doch nur wieder der möglichst gewinnbringenden Vermarktung eines Produktes oder einer Leistung dienen, statt der Gemeinschaft.
Dagegen, dass diese Gewinne in private Vermögen oder Börsenspekulationen fließen, statt der Gemeinschaft, die sie erwirtschaftet zu Teil werden.

 

Dagegen, dass hierarchische Machtstrukturen gebunden an Prestige und/oder Reichtum die Gleichberechtigung und die Demokratie in allen Lebensbereichen behindern und verhindern.

 

Dagegen, dass Menschen nicht frei sind, dort zu leben wo sie es wünschen und wo sie sicher sind, sondern an Grenzen von der Freiheit und den Privilegien der anderen ausgeschlossen werden.

Ich könnte noch so viele Dinge aufzählen, viele Botschaften verkündeten in Frankfurt, was einem gerechten und guten Leben aller Menschen entgegen wirkt.

Ich habe bei Blockupy Menschen gesehen, die diese Verhältnisse nicht mehr wollen.

Welche Methoden, Ziele, Vorstellungen von einer anderen Welt wir alle haben, kann, darf und soll sich unterscheiden und ebenso übereinstimmen.

Wenn wir uns alle einig sind, dass diese Verhältnisse falsch sind, dann müssen wir es aushalten, dass der Aufbau einer neuen Gesellschaft einwidersprüchlicher Prozess ist.

In diesem Prozess ist die Einheit im Widerstand und der Wille zum Wandel die Basis von der die Veränderung gemeinsam ausgeht.

Wir informieren, organisieren und vernetzen uns weltweit.

Damit nichts bleibt so wie es ist.

 

kulturgutEssen Ein Bürgerbegehren: Widerstand mit demokratischen Mitteln

Was sind das eigentlich für Menschen, die monatelang Unterschriften sammeln – dafür Termine organisieren, Pressetexteschreiben, tausende Nachbarschaftsbriefe verteilen, Sammelmappen auslegen und natürlich immer wieder auf der Straße und in Kneipen Leute ansprechen, sich einer emotionalen Achterbahn zwischen Zuspruch, Unterstützung, Erfolgserlebnissen und Durchhängern aussetzen, um eine Handvoll Essener Einrichtungen vor Personalkürzungen zu schützen? Was genau ist ihre Motivation?

Gerade zuletzt, beim Abholen einer Sammelmappe in einem Schreibwarenladen fragte mich die Verkäuferin, ob unsere Initiative eigentlich nur aus betroffenen Angestellten bestünde, die um ihre Stellen kämpfen.
Nein, weder die drei Vertretungsberechtigten sind selbst unmittelbar betroffen, noch die anderen Akteure, Erstunterzeichner, Sammler und Helfer. Das Engagement der Beteiligten basiert auf einer Motivation, die für einige Gegner des Begehrens nicht nachvollziehbar ist: Es geht um Solidarität mit den Nutzern der Einrichtungen. Es geht darum, für die gesellschaftliche Anerkennung von Kultur und Bildung zu kämpfen, auch wenn es um Einrichtungen geht, die kein internationales Renommé fördern und nicht von berühmten Direktoren geführt werden.

 

Der  simple Wunsch, jedem Bürger in der Stadt die bezahlbare Möglichkeit zu geben, sich zu bilden, kreativ zu werden, die Geschichte und interkulturelle Projekte aktiv zu erleben.

Wir, die Akteure und unsere UnterstützerInnen, sehen nicht ein, dass diese demokratische Forderung aufgrund der vielgepriesenen „objektiv betriebswirtschaftlichenKriterien“ nur ein Kostenfaktor ist, den man zusammenstreicht bis zur Schmerzgrenze.
Wir haben das Wohl aller BürgerInnen der Stadt im Sinn. Wir wünschen und gönnenallen alleinerziehenden Müttern und Vätern, Erwerbslosen, Aufstockern,Geringsverdienern, finanziell Belasteten, dass sie abends eine Sprache,Bewegungs- oder Entspannungstechniken lernen, sich beruflich oder aus Interesseweiterbilden können oder Yoga machen, aber auch, dass ihre Kinder für einMusical proben und dies, obwohl sie nur ein geringes Einkommen haben.
Diese Vorstellung von einem guten Leben in einer solidarischen Stadt haben derSchüler, die Künstlerin, der Lagerist, der Lehrer, der Berufspolitiker, dieGeigenlehrerin, die Studentin, die Erzieherin, der Pastor, der Komiker, derSänger, der Gewerkschaftler, die Professorin, die Praktikantin, der Anwalt, dashaben Menschen aus Essen unterschiedlichster Herkunft, miteinander gemeinsam.
Mehr als vier Monate haben wir gemeinsam für dieses soziale Verständnis vonKultur und Bildung gekämpft. Immer wieder haben wir versucht Wege zu finden,die Öffentlichkeit zu informieren und zu motivieren Widerstand zu leisten, wennauch nur mit einer Unterschrift auf einer Liste.

Widerstand gegen eine Politik, die Bürger inzwei Klassen spaltet, so dass Zugang zu Bildung und Kreativität bloß noch nachGeldbörse bestimmt wird.

 

In Essen hat die Mehrheit im Rat beschlossen,die Schulden der Stadt rechtfertigten diese Politik des Personalabbaus, unddieser Sachzwang ermögliche keine Alternativen. Dass dahinter ein politischerWille steht, wird in der Argumentation völlig ausgeblendet. Selbst einigeleitende Vertreter der betroffenen Einrichtungen sind davon überzeugt, dass dieVerschuldung der Kommune die vorgenommenen Streichungen unweigerlich bedingt.„In meiner Funktion bin ich gegen Ihr Anliegen und privat würde ich das Begehrenauch nicht unterschreiben“, gesteht mir der Leiter einer Einrichtung,„schließlich könnte dann die Grundsteuer erhöht werden und ich bin jaHausbesitzer“.
Als Widerstandsform und Akt des Ungehorsams gegenüber einer solch geeintenFront von Politik und Verwaltung ist ein Bürgerbegehren auf den ersten Blick vielleichtnicht gerade sexy. Ein Bannerdropping, ein Flashmob, eine Demonstration, eineBesetzung, das sind die Dinge, die schnell und spektakulär wirken, aber wedervon Machthabern noch Medien langfristig ernst genommen werden. Bürgerbegehrenerfordern Fleiß, Ausdauer, Nerven und ständige Auseinandersetzung mit denInhalten und Argumenten des eigenen Anliegens. Das Erreichen eines Quorums,  dann eines Bürgerentscheides und dasdirekte Einwirken auf kommunalpolitische Entscheidungen ist ein Ziel, für das sichdieser Aufwand lohnt.

Bürgerbegehren erhalten allerdings viel Beachtung der lokalen Presse. DerZeitfaktor, die konkreten AnsprechpartnerInnen, abgesteckte Erfolgsfaktorensorgen wie von selbst für einen Polit-Thriller mit „Fortsetzung folgt“ Charakter.Die gute Story ist garantiert.

Die lokale Presse ist das Steckenpferd vieler Kommunalpolitiker. Sie messendaran ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung. Die Kommentare der Lokalredakteure zu  Zahlenspielender Verwaltung, Drohbriefen des Kulturrats, Fristverlängerungen und Gutachtendes OB, werden von den Entscheidungsträgern ungleich ernster genommen als dieEssener Demonstration  zum Thema„Umfairteilen“.
Vielleicht sollten sie ab und an, wie die Linken es aktuell getan haben, ihrebequemen Ratssessel verlassen und Unterschriften für ihre Anliegen sammeln.
Dann wüssten sie, wer sich gar kein Tageszeitungs-Abo leisten kann, wer sich nur über das Internet informiert und wie die Essener sich ihre Meinung bilden.

Bereicherung und Erfolg muss man nicht in Geld und Prestige messen

Was die Akteure an Erfahrungen gemacht haben, in diesen Wochen und Monaten ist bei aller Anstrengung für jeden eine große Bereicherung. Hunderte von Gesprächen hat jeder einzelne zum Thema geführt, dabei den Blickwinkel vieler Bürger kennen gelernt. Trotz des enormen Aufwandes hat es Spaß gemacht, denn etwas gibt es in unserer Bürgerinitiative nicht: Machtspielchen, Autoritäten, Kompetenzgerangel, finanzielle Anreize, persönliche Vorteile, Einflussnahme der Wirtschaft.
Stattdessen durften wir eine „Projektarbeit“ erleben, in der alle gleichberechtigt, solidarisch, engagiert und vielfältig und konstruktiv für eingemeinsames Ziel arbeiten.

Wir müssen nur wollen: Mut zum Widerstand!

 

kulturgutEssen hat Menschen aufgefordert sich zu beteiligen, sich zu äußern und etwas Wirksames zu unternehmen, aktiv zuwerden in der Politik ihrer Stadt. Eine lebendige Demokratie braucht genau dies: Teilhabe, Interesse, Motivation und die Aussicht auf Wirksamkeit und sehr oft auch eines: Mut zum Widerstand.

Wir wünschen uns, mehr Menschen, die sich in Sachzwängen, Ämtern, Stellungen und Positionen gefangen fühlen, würden den Mut aufbringen, ihrem Verstand , ihrem Herz und ihrem Gewissen zu folgen und selbst Widerstand leisten. Dass dies möglich ist, zeigt der Fall der Hamburger ARGE Mitarbeiterin Inge Hannemann, die den Mutaufbrachte, die Verhältnisse anzuprangern die sie selbst in ihrem Amt schafft. Sie erlebt nun harte Sanktionen aber auch massenhafte Solidarität.

Verantwortungsgefühl und Widerstand kann jeden Rahmen sprengen – auch die engen Ketten der kommunalen Schuldenpolitik.

 

KulturgutEssen: …was ihr wollt und wie es uns gefällt!

 Als Vertretungsberechtigte des Essener Bürgerbegehren KulturgutEssen habe ich verschiedene Texte und Pressemitteilungen geschrieben.
Diese sind zum Teil auch im Blog kulturgutessen.de veröffentlicht.

Wenn es um Ausgabenkürzungen in öffentlichen Haushalten geht, hat man den Eindruck überschuldete Kommunen und Finanz- und Bankenkrisen seien Schicksalsschläge, denen man als Bürger hilflos ausgesetzt ist. Da hilft kein Jammern und Begehren: Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen. Sparen ist alternativlos, sonst kommt der böse Sparkommissar und wir haben gar nichts mehr zu melden.

Wenn also eine Stadt beschließt im Haushalt bei den  Kultur-, Bildungs- und Integrationseinrichtungen zu kürzen, tja, dann ist das nicht schön, aber nicht zu ändern.

Nicht zu ändern?

Warum denn nicht?
Weil dann woanders gekürzt wird und wer weiß was dann noch schlimmer ist.
Das ist die Antwort der Politiker und Verwaltungsorgane welche die Alternativlosigkeit ihres Handelns komplett verinnerlicht haben. Leider nicht nur sie, auch viele Bürger der Stadt glauben fest, das alles sei ein Muss.

Was aber, wenn dahinter ein Wille stünde und gar ein politischer? Was, wenn der Bund und die Länder aus politischer Überzeugung handeln, wenn sie das Steueraufkommen verteilen? Was, wenn es politischer Wille ist, maroden Banken auf die Beine zu helfen? Was, wenn es politischer Wille ist, Einrichtungen der Stadt zu privatisieren um die Gehaltsstrukturen von den öffentlichen Tarifen zu ab zu koppeln?

Steuerreformen der letzten Jahrzehnte haben durch die Senkung der Steuern auf Spitzeneinkommen, Kapitalerträge und Konzerngewinne die Umverteilung von unten nach oben nach und nach vorangetrieben.

Das muss sein, sagen die Entscheider. Das bringt Wachstum! Dann sind wir wettbewerbsfähig.

Was, wenn es das wichtigste Anliegen der Regierenden ist Märkte zu beruhigen?
Was aber wenn der Preis für diesen politischen Willen verarmte Kommunen wären,
weil ihnen keine Gelder und Rettungspakete oder Schuldenschnitte angeboten werden?

Wer repräsentiert dann die Menschen die in einer lebendigen Demokratie leben wollen und die Teilhabe aller Bürger an Kultur und Bildung, an Sport und anderen gesellschaftlichen Aktivitäten wünschen? Wer repräsentiert dann die Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können und mit Sozialhilfe aufstocken müssen?
Und wer erklärt sich solidarisch mit den vielen geringverdienenden, alleinerziehenden Müttern, die von Altersarmut bedroht sind. Wer setzt sich dafür ein, dass diese Frauen einen Sprachkurs in der VHS besuchen können? Wer möchte sicherstellen, dass ihre Kinder zum Ballett oder Fußball gehen, Klavier oder Geige lernen können? Wer interessiert sich für dafür, das alte Synagogen oder Stadtarchive historische Bildungsarbeit leisten können? Und wen kümmern die Projekte für Integration, die besonders ausländischen Kindern und Jugendlichen zu teil werden?

Nun, wenn es die regierenden Politiker nicht wollen und sich kein Lobbiest findet, dann müssen wohl die Bürger selbst einspringen. Dann ergreifen einige die Initiative und kämpfen gemeinsam für das Interesse der Demokratie und im Sinne des Gemeinwohls für die Menschen, deren Anliegen keinen Profit bringen, die keinen Wachstumsfaktor darstellen, deren Wunsch nach Kultur, Bildung und Integration als Belastung dargestellt wird.

Ich unterstütze das Bürgerbegehren kulturgutEssen, weil ich den politischen Willen habe, Dinge zum Positiven zu verändern und weil Kreativität und Wissen Güter sind, die eine Gesellschaft und eine Stadt für die Gestaltung ihrer Zukunft braucht.

Anabel Jujol
Künstlerin und Aktivistin/Occupy
Vertretungsberechtigte für das Bürgerbegehren: kulturgutEssen

Kulturgut Essen: Eine Stellungnahme

Essen 2030 -  Ein Fake

als Vertretungsberechtigte des Essener Bürgerbegehren KulturgutEssen habe ich verschiedene Texte und Pressemitteilungen geschrieben.
Diese sind zum Teil auch im Blog kulturgutessen.de veröffentlicht.

…kulturgutEssen: ein bürgerbegehren in der krise – eine stellungnahme (März 2013)

Wir wollen mit diesem Bürgerbegehren in erster Linie die Einrichtungen im kulturellen Bildungsbereich schützen. Gleichzeitig wollen wir einer Politik Einhalt gebieten, die suggeriert, neoliberale Strukturreformen seien alternativlos. Die euphemistisch als „Sparen“ bezeichnete Politik stellt zumeist nur ein Potpourri aus Privatisierung und Kürzung dar.

Es ist nicht der Rat und auch nicht der Bürger, der den Handlungsspielraum des Oberbürgermeisters in der Ausübung seines Amtes beschränkt. In der Kommunalpolitik sind das längst globale Finanzmärkte, Institutionen der EU, die Bundesregierung, die Länderparlamente usw., die über die Aufgaben und die finanziellen Möglichkeiten der Städte und Gemeinden entscheiden.

Der politische Handlungsspielraum, den sich die Stadt Essen beim freiwilligen Beitritt zum Stärkungspakt II selbst zugewiesen hat, ist durch die Kürzungsvorgaben dieser von oben verordneten Schuldenpolitik tatsächlich sehr eingeschränkt. Es ist aber nicht diese Situation, die der Bürgermeister problematisiert. Er könnte dafür eintreten, die kommunale Selbstverwaltung UND die Bürger mit mehr Möglichkeiten auszustatten, ihre Lebenswelt demokratisch, sozial und nachhaltig zu gestalten. Stattdessen versucht er, für seine Position scheinbar mehr Rechte zu erkämpfen, um seine Handlungsspielräume gegenüber seinen unmittelbaren Partnern in der Kommunalpolitik, den Bürgern, dem Rat und der Verwaltung, zu erhöhen.

Die angestrebte Verschiebung oder (in seinen Augen) Richtigstellung der kommunalen Entscheidungsbefugnisse funktioniert allenfalls als Placebo oder Ablenkungsmanöver, um darüber hinweg zu täuschen, welche finanzpolitischen Abhängigkeiten und Machverhältnisse dazu führen, dass Kommunen nur noch wählen können, wo und wie sie Leistungen streichen. Unser Oberbürgermeister, Herr Paß, scheint der Meinung, dass er bei dieser Kürzungspolitik das Wohl des Bürgers besser im Blick hat, als der Rat und die Bürger selbst.

Damit steigert er die Frustration der Bürger, die sehr wohl wissen, dass die scheinbare Alternativlosigkeit der Schuldenpolitik eine bittere Kröte ist, die zu Lasten des Bürgerrechts auf soziales Leben geschluckt werden muss.

Damit leistet Paß einen weiteren Beitrag dazu, dass der Druck im Kessel der repräsentativen Demokratie steigt.

Denn nicht nur in Spanien, Portugal und Griechenland rufen die Bürger bei Protesten gegen die Kürzungspolitik ihren Politikern zu: “Ihr repräsentiert uns nicht”. In Deutschland kennt man spätestens seit Stuttgart 21 das Wort vom “Wutbürger”.   Wann erkennt Herr Paß, dass nicht der Rat und die Bürger das Problem sind, sondern die Streichungen. Vielleicht bestellt ja in Zukunft ein Bürgermeister ein Gutachten, dass die rechtliche Grundlage zur Einschränkung der kommunalen Selbstverwaltung durch Stärkungspakte in Frage stellt und sich mit der Finanzierung der Kommunen beschäftigt.   Dann müssten Bürger für Ihre Bibliotheken, Volkshochschulen, Musikschulen, Stadtarchive etc. nicht gegen den eigenen Bürgermeister kämpfen.

Dann kann man darüber nachdenken, wie man Bürger tatsächlich beteiligt an kommunaler Stadtentwicklung und Gestaltung.

Dann werden Show-Projekte, wie Essen 2030, ernst zu nehmende strategische Beteiligungsprojekte.

Stell dir vor: Essen 2030 – Eine Stadt, in der die Bürger ihre Lebenswelt demokratisch aktiv gestalten – und der Oberbürgermeister macht mit!

Anabel Jujol , Initiative kulturgutEssen

http://kulturgutessen.de/kulturgutessen-ein-burgerbegehren-in-der-krise-eine-stellungnahme/

 

 

…sie verkaufen ihre Betten und schlafen im Stroh

Vorurteile gegenüber „Zigeunern“ kennt jeder und hat vielleicht jeder. Als meine Mutter Kind war, hieß es Zigeuner stehlen die Wäsche von der Leine. Heutzutage heißt es auf einer Bürgerversammlung in Essen Haarzopf, Roma klauten Pflanzen aus den Vorgärten und zerwühlten den Müll. Dass Roma Diebesgesindel sei, welches in Großfamilien nach Deutschland kommt, um auf Kosten des heimischen Steuerzahlers zu überwintern und satt und zufrieden in die Heimat zurückzukehren, den Sommer über zu faulenzen und zu klauen und dann erneut bei uns einzukehren, um die erhöhten Asylsätze abzugreifen. Das klingt zugegebenermaßen überspitzt, spukt aber augenscheinlich schemenhaft in vielen Köpfen. “…sie verkaufen ihre Betten und schlafen im Stroh” weiterlesen

Occupy Art

„General Strike Piece“ nannte die amerikanische Künstlerin Lee Lozano 1969 ihr Werk und erklärte ihren Ausstieg aus der Kunstwelt, in der sie 10 Jahre lang Erfolge gefeiert hatte, mit einer Kunst, die nicht nur gesellschaftskritisch sondern auch extrem kritisch gegenüber dem sogenannten „Kunstbetrieb“ war. Man solle sich selbst und sein Werk ganz der persönlichen und öffentlichen Revolution widmen, heißt es in dem Dokument, welches heute als selbstständiges Kunstwerk gehandelt wird.

“Occupy Art” weiterlesen