Redebeitrag /Aufstehen gegen Rassismus / 21. März 2019: Internationaler Tag gegen Rassismus und Kundgebung gegen „Steeler Jungs“!

Liebe Mitmenschen,

ich bin Aktive bei AUFSTEHEN GEGEN RASSISMUS und dem ANTIRASSIMUSTELEFON Essen.

Das Antirassismustelefon1 gibt es in diesem Jahr seit 25 Jahren in Essen.
Hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter*innen beraten Betroffene von Alltags- oder institutionellem Rassismus. Es ist eine unabhängige Einrichtung von Essener Bürgerinnen und Bürgern, die gegen rassistisch-faschistische Ent­wicklun­gen und für das gleich­berechtigte Zusammenleben der unterschied­lichen Kulturen aktiv sind.

Ich stehe hier auch als Person, deren Familie hier aus Steele kommt.
Auch deshalb fühle ich mich hier und heute verantwortlich bei lautem Protest dabei zu sein.

Mein Name ist Anabel Jujol Hoppen.

Kein Doppelname weil ich verheiratet bin, sondern weil meine holländische Mutter eine spanischen Einwanderer geheiratet hat, was zu solchen langen Namen führt.

Die Familie Hoppen war eine große, kinderreiche Arbeiter*innenfamilie in Steele. Mein holländischer Urgroßvater Hoppen war als Migrant aus Holland gekommen und hatte 9 Kinder.
Fast alle arbeiteten schon von Kindesbeinen an in der Glashütte Wisthoff .
Alle haben die NS Zeit überlebt, aber, was viel wichtiger ist, fast alle haben diese Zeit hier in Steele verbracht und mussten, Gott sei Dank, nicht zur Wehrmacht, wegen Ihrer holländischen Pässe.

Mein Opa, der 2012 mit 94 Jahren gestorben ist, hat eindrucksvolle Geschichten erzählt, davon, wie er die NS Zeit und die Kriegsjahre hier in Steele erlebt hat:

Von der Nachbarin mit Parteibuch, die ihre Mitbewohnerinnen schikaniert und denunziert hat, weil sie sogenannte Vierteljuden waren.

Von Freunden, Kegelbrüdern, die nach Rechts rückten und davon, dass alle Männer auf seinem Hochzeitsfoto außer ihm, im Krieg gestorben sind, auch der 19 jährige Bruder Alfred meiner deutschen Oma.

Eine Geschichte hat mich als besonders traurig beeindruckt:

Eines Tages wurde mein Opa als jugendlicher Mann Zeuge, als eine kahlrasierte Frau in einem Karren durch Steele gezogen wurde – von grölenden NS-Männern. Sie war halbnackt und trug ein Schild um den Hals, erzählte mein Großvater: „Diese deutsche Frau schlief mit einer Judensau!“
Voller Angst und Scham hätte er sich in einem Hauseingang versteckt, berichtete er.

Die „Steeler Jungs“ laufen hier, heute und jeden Donnerstag anknüpfend an solche grauenvollen Traditionen.

Aus der Verbreitung von Angst und Schrecken ziehen sie ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl.

Ein trauriges Leben.

Für Menschen, die wegen beliebiger Merkmale in das „Beuteschema“ dieser faschistoiden Personen passen, ist das ein untragbarer Zustand, dass sie sich womöglich, nicht nur jeden Donnerstag, in Hauseingängen verstecken müssen. Dass 2019 Menschen wieder Angst haben müssen, vor rassistischer Gewalt in Steele und anderswo, ist unerträglich. Dass Menschen, die nicht unmittelbar betroffen sind, aber solidarisch sind oder unfreiwillig zu Zeugen werden, ebenso Angst haben sollen und müssen ist nicht hinnehmbar.

Wer stellt sich dazwischen, wenn ein Steeler Junge die Drohung (auf dem ach so lustigen Karnevalswagen) wahr macht und seine Faust erhebt, gegen die Person, die er für eine Zecke hält?

Verstecken Sie sich auch in einem Hauseingang?

Ich, wir alle hoffentlich, stehen heute hier gegen die Angst und für den Mut sich Rassismus und faschistischer Gewalt in den Weg zu stellen.
Solidarisch oder als Betroffene oder Beides.
Wir drehen uns nicht weg und weichen nicht vom Fleck!
Wir sind hier und laut!

Für eine Gegenwart und eine Zukunft in Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit!

 
ALERTA ALERTA ANTIFASCISTA!

1www.antirassismutelefon-essen.de

Antirassismustelefon Essen: 0201/232060

Rückblick / Pressemitteilung zur Kundgebung

https://www.facebook.com/notes/aufstehen-gegen-rassismus-essen/tag-gegen-rassismus-hunderte-gegen-steeler-jungs-auf-den-stra%C3%9Fen/839456959755168/

Tinas Kismet – Talkperformance

Wo doch gerade unter dem Asphalt geträumt wird, verbreitet die Gruppe Gesprächsbereitschaft frohe, post-komplexe, therapeutische, karnavaleske und psychtronische Botschaften. Die dreiteilige Reihe TINAS KISMET stellt mündige Antworten auf verständnisverarmte Schicksalhaftigkeit aus. Dies ist auch am Titel ablesbar, wenn er entschlüsselt ist: Halb Akronym (T.here I.s N.o A.lternative) und halb Kismet – Schicksal eben. Die Veranstaltung ist als Kundgebung angemeldet, kommt zahlreich. Die Gruppe Gesprächsbereitschaft war und ist mit dem – Das Ende ist jetzt“ unterwegs, Diesmal mit von der Partie: Bianca Wickinghoff, Klaus Steffen, J X Ende(Joscha X Ende), Victoria Nyctophilia, Anabel Jujol, Mizgina Rengin. Einen Eindruck in die bisherige Arbeit findet ihr unter www.finow.org

Neue große Gemeinschaftsarbeiten aus dem CANDYSHOP

Immer wieder arbeiten Künstler*innen im CANDYSHOP, der Kunstwerkstatt für Menschen mit geistigem Handicap in Essen,  gemeinsam an großformatigen Gemälden.

Künstler Detlef Karmasch bearbeitet  zur Zeit ein Bild mit Lackspray und Acryl, das der Kollege Martin Kaminski zunächst dreifarbig grundiert hat. Schon die erste Schicht des Bildes war allerdings eine Übermalung einer alten Gemeinschaftsarbeit aus dem Jahr 2012. Auf die weitere Entwicklung des Bildes darf man gespannt sein. Die eigenwilligen Kompositionen und Farbigkeiten sind jedenfalls beeindruckend, wie ich finde.

Noch bis 15. September – Finalistenausstellung Kunstpreis Salou

Künstler*innen aus ganz Spanien haben sich auf diesen Kunstpreis beworben, der alle zwei Jahre in der Küstenstadt Salou, Nähe Tarragona verliehen wird.
Die Jury ist interessiert an neuen malerischen Positionen und hat eine Vorliebe für grenzüberschreitende Abstraktion. Ich freue mich zum zweiten Mal mit einem Bild in der Finalistenausstellung zu sein unter lauter Frauen. Kuratorin, Preisträgerinnen und Finalistinnen, diesmal waren bis auf wenige Ausnahmen alle weiblich, eine Seltenheit in der Kunstwelt.

 

Aktion: Ein gutes Leben für Alle! Eltingplatz Essen / Gegen Rassimus und Polizeigewalt, Verdrängung von Armut

Am 10.8 kam eine kleine Gruppe von 40 Demonstrierenden zusammen, um eine fröhliche Kundgebung zu gestalten.
Zu Anfang wurden sie dafür von einem Polizeiaufgebot mit mindesten 6 großen Einsatzwagen begrüßt, und Beamten in martialischen Uniformen.
Der Eltingplatz wurde quasi abgeriegelt. Es wäre beruhigend, aber unwahrscheinlich anzunehmen, dass dies zum Schutz der Kundgebung vor rechter Gewalt geschah.
Während der Veranstaltung, die durch Rap, Poetry Slam und kritische Redebeiträge Betroffener geprägt war, minimierte sich zum Glück die Polizeipräsenz auf wenige Beamte. Hier die Pressemitteilung und weiter unten die etwas deformierte Wiedergabe in der WAZ/ Der Westen.

Pressemitteilung

Für Morgen hat ein Bündnis aus verschiedenen Netzwerken rund um sozial und politisch engagierte Künstler in Essen eine Kundgebung in der Essener Nordstadt angemeldet. 10.8.18, 16.00 Uhr, Eltingplatz.
Geplant sind Redebeiträge der Veranstalter und ein offenes Mikrofon für Betroffene von Diskrimierung, Abschiebung und Polizei, bzw. sonstigen staatlichen Repressionen sowie Alltagsrassismus.Das Motto lautet: „Ein gutes Leben für Alle“ !  „Aktion: Ein gutes Leben für Alle! Eltingplatz Essen / Gegen Rassimus und Polizeigewalt, Verdrängung von Armut“ weiterlesen

Finow DAS ENDE IST JETZT Köln April 2018

Ich bin mit Freude immer wieder gerne dabei, wenn es heißt ABSCHIED NEHMEN von aller Erfahrung:

FINOW ist ein Happening. Ein Happening ist eine offene künstlerische Form bei der die Erfahrung der Beteiligten im Vordergrund steht. Es ist also eine Art der Begegnung.

FINOW ist auf Reisen. Wenn ihr unseren Besuch wünscht schreibt an: xende@riseup.net

FINOW macht die Gruppe Gesprächsbereitschaft.

Der Eintritt ist frei.

FINOW ist…

Eine kollektive, kollaborative, persönliche, intime und politische zwischenzeitliche Aneignung öffentlichen Raums. Jede*r macht was er will, bedenkt dabei aber, dass wir zusammen gehören. Der Titel bedeutet: “Das Ende ist Jetzt”- es geht also immer um Abschied und Neu-Anfang in allen Bereichen nach Wahl. Der Rest ist Zufall, Chaos, Humor und Not.

Alle Happenings hier:
http://finow.org/

Finow DAS ENDE IST JETZT Düsseldorf April 2018 // Golden Girl

Finow ist ein Happening. Ein Happening ist eine offene künstlerische Form bei der die Erfahrung der Beteiligten im Vordergrund steht. Es ist also eine Art der Begegnung. Einen ähnlichen Begegnungsraum haben die Organisation*innen bereits beim jährlichen Kunstfest “Tag Im Park” in Essen geschaffen.

Mit der Gruppe „Gesprächsbereitschaft“ habe ich bis jetzt an den Finow Performances in Essen, Duisburg, Düsseldorf und Köln teilgenommen.

Mit Danke und Copyrightangabe: Bilder aus dem Album von Jens Eckstein auf Facebook:

 

Protest gegen Rassismus bei der Essener Tafel

Die Essener Tafel hat ein Problem. Seit dem 8. Dezember 2017 nimmt die gemeinnützige Einrichtung keine neuen Bedürftigen ohne deutschen Pass auf. Schuld an der verhängten Sippenhaft soll laut Tafel der Zuzug von Geflüchteten und vermeintliches Fehlverhalten einzelner Migrant*innen sein. Die Essener Künstlerin Anabel Jujol demonstrierte am Samstag, 3. März, gegen diese Maßnahme und kritisierte die Kommunalpolitik.

Zeitgleich besuchte NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) die Tafel und bestritt, dass in der Tafel Ausländer*innen ausgeschlossen würden.“

Zum Artikel von Dennis Pesch in der Akduell:

https://www.akduell.de/home/gesellschaft/hier-kommt-rassismus-auf-den-tisch

Protestdemonstration des Antirassismustelefon Essen vor der Essener Tafel// Aufruf:

„Protest gegen Rassismus bei der Essener Tafel“ weiterlesen

Preisträgerin des 1.Gelsenkirchener Kunstpreises 2017

BGK-Domizil | Der Bund Gelsenkirchener Künstler mit seiner 65-jährigen Geschichte vergibt zum ersten Mal einen Kunstpreis (Förderpreis) im Fachbereich Malerei.
Zur Frage „Braucht der oder die Kunstschaffende in der digitalisierten Welt reale Kunstwerke, Auseinandersetzungen, Kunstgespräche mit Künstlerkollegen und Betrachtern?“ haben sich deutschlandweit über hundert Maler und Malerinnen Gedanken gemacht und sich mit ihren Werken beworben.
Den ausgewählten Künstlerinnen Anabel Jujol, Siba-Maria Khodajari und Vanessa v. Wendt wird es mit einer Ausstellung in der Galerie „Domizil“, Bergmannstraße 53, ermöglicht, ihre Werke für fünf Wochen mit medialer und finanzieller Begleitung den Kunstinteressierten zu präsentieren.
Die Vernissage der Kunstpreisausstellung findet am Sonntag, 15. Oktober, um 11 Uhr im Domizil statt. Die Begrüßung erfolgt durch die Erste Vorsitzende des BGK Sabine Leichner-Heuer, das Grußwort spricht der Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Gelsenkirchen Klaus Hermandung. Die Einführung übernimmt die Kunsthistorikerin Dr. Hella Nocke-Schrepper und das musikalische Programm gestaltet Norbert Labatzki mit Klarinette und Saxophon.
Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 18. November samstags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.