ART WALK 2013 bei KARO

Zum ART WALK 2013 zeigte unsere Galerie KARO Kunst in der Kasteienstraße am 30. November Bilder von Ulrike Huckel, Anabel Jujol und Annette Schnitzler. Ca. 60 Besucher fanden den Weg in unsere Galerie/Atelier.

Vernissage Can Negre, Sant Joan Despi 7. Nov. 2013

Der Architekt Josep Maria Jujol entwarf dieses Gebäude im Jugendstil (Modernisme) des 19.ten Jahrhunderts in Sant Joan Despi bei Barcelona. J.M. Jujol ist vor allem durch seine Arbeiten mit Gaudí bekannt geworden. Er gestaltete maßgeblich den Park Guell in Barvcelona und die Fassaden und Interieurs einiger berühmter Bauten Gaudís.
Heute dient das Gebäude als Kulturzentrum und als Ausstellungsort für Künstler.
Über Ausschreibungen kann man sich für eine Gruppem- oder Einzelausstellung bewerben.
Ich habe mich im letzten Jahr beworben und für November den Zuschlag für eine Einzelausstellung in den beiden großen Ausstellungsräumen des Erdgeschosses erhalten.
Gestern wurde alles gehängt. Ich habe mich entschieden, im größeren Raum thematisch zu Arbeiten und ihn der Serie INTRAVISION zu widmen, während ich im zweiten Raum eine kleine Werkschau meiner wichtigsten Arbeiten in verschiedenen Stilrichtungen präsentiere. So bekommt der Besucher zum einen einen Eindruck, meiner Arbeit zum Thema, wie auch zu meinem Repertoire an gestalterischen Mitteln in der abstrakten Malerei. Ich bin sehr neugierig darauf, wie meine Arbeiten in der lokalen Kultur- und Kunstszene aufgenommen werden.
Meine Verwandtschaft und Namensgleichheit mit dem Architekten, dem Lieblingsohn der Stadt, machte sicher einige Besucher nochmal auf andere Art interessiert.Vieleicht sucht man dann aber bemüht Vergleiche zu Jugendstil und ästhetischen Verwandschaften.

Infos zum Architekten: http://de.wikipedia.org/wiki/Josep_Maria_Jujol

 

Leitung der Kunstwerkstatt, Diakoniewerk Essen

Seit September betreue ich mit einer halben Stelle die Kunstwerkstatt des Diakoniewerks Essen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit als Künstlerin ohne therapeutische Vorkenntnisse, liegt in der Anleitung zur künstlerischen Umsetzung von Ideen, Phantasien und Sehnsüchten. Ich hatte nur diffuse optimistische Erwartungen an diese Arbeit. Nach den nun vergangenen Wochen bin ich sehr beeindruckt von den vielseitigen Erfahrungen, die ich machen konnte.
Ganz ohne zu Romantisieren kann ich feststellen, dass ungehemmte Kreativität mit geistiger „Normalität“ nichts zu tun hat. Allein die „üblichen“ Techniken und Umsetzungsmöglichkeiten bleiben oft unerreichbar für die meisten Bewohner der Einrichtungen. Das was jedoch entsteht ist ebenso gebunden an Inspiration und Konzept, wie bei „echten“ Künstlern auch. Nicht bei allen natürlich, aber bei einem Anteil. Es gibt die „Hobbymaler“ und die die sich als Maler/innen bzw. Künstler mit best. Thema und Technik-Repertoire auffassen (Filmemacher, Maskenbildnerin etc.). Im September zur Kunstspur haben wir bei „Karo Kunst in der Kasteienstraße“ eine Auswahl der Arbeiten gezeigt. Jetzt dürsten die Bewohner nach einer neuen Möglichkeit die Ergebnisse ihrer Arbeit zu präsentieren. Wenn also jemand Ausstellungsräume (Foyer im Büro oder Behörde, Galerie etc.) zur Verfügung stellen möchte, würden wir uns sehr freuen. Professionelle Rahmung der Arbeiten, Organisation von Vernissage, Pressarbeit etc. würden wir natürlich übernehmen bzw. unterstützen. Wenn Künstler Interesse haben gegenseitige Werkstattbesuche ev. gemeinsames Arbeiten zu organisieren und sich auf das Hype Thema Inklusion wirklich mal einlassen wollen, freue ich mich sehr. Neugierige sind herzlich eingeladen.
Über persönliche Nachrichten oder E-Mail bin ich für alle Fragen offen (anabel@jujol.de)

 

NORMAL IST DAS NICHT | InklusionsProjekt

Für jeden Künstler ist die Wertschätzung der eigenen Arbeit eine wertvolle Erfahrung. Wir freuen uns, wenn wir außergewöhnlichen Menschen unsere Produzentengalerie mitten in der Stadt dafür bieten können.

Zur diesjährigen Kunstspur zeigen wir Arbeiten aus der Kunstwerkstatt des Diakoniewerks in Essen.
Birgit Weber vom Diakoniewerk hatte die Idee zu diesem „Inklusionsprojekt“.
Am zweiten Wochenende der Kunstspur zeigt KARO Kunst in der Kasteienstraße Zeichnungen, Malereien und Filmprojekte, die teilweise von Einzelkünstlern, teilweise in Gemeinschaftsprojekten von Menschen mit und ohne geistige Behinderung entstanden sind.

Die Vernissage ist am Samstag dem 28.9.2013 um 16.00 Uhr mit Kaffee und Kuchen.

Öffnungszeiten: 28.9.-29.9.2013 jeweils 15.00-19.00 Uhr

KARO Kunst in der Kasteienstraße, Kasteienstraße 2, Essen


 

 

 

Weit und breit keine Entrüstung?

In Essen, vor heimatlicher Ruhrgebietsidylle der Kulisse des Weltkulturerbes Zeche Zollverein fand am 14. Juni der feierliche Aufstellungsapell der neuen Regionalen Sicherungs- und

Unterstützungskräfte (RSUKr) für NRW statt. Bundesweit soll diese Bundeswehreinheit für Reservisten neue Betätigungsfelder eröffnen.
Längst ist die Bundeswehr keine Verteidigungsarmee mehr. Im ofiziellen Portfolio ist  von internationaler Terrorbekämpfung ebenso selbstverständlich die Rede wie vom Sicherheitsbündnis mit EU und NATO Partnern und neuerdings auch wieder vom „Heimatschutz“.
Eigentlich waren 2007 die sogenannten Heimatschutz Bataillone im Rahmen der Bundeswehrreformen aufgelöst worden. 

Nun sieht das neue Selbstverständnis der Bundeswehr als Interventionsarmee Krisenherde und Krisenbewältigung und damit verbundene Aufgabenstellungen auch vermehrt im Inneren.

Für ein neues Verständnis innerer Krisen, Unglücksfälle und Katastrophen hat 2012 eine historische Plenumsentscheidung des Bundesverfassungsgerichtes den Weg bereitet.
Seit August 2012 ist der Bundeswehr der Einsatz von „militärischen Kampfmitteln“ im Inland bei Terrorangriffen unter strengen Auflagen erlaubt.

Die wenigen Medienberichte die das Thema RSUKr aufgreifen und einen Zusammenhang herstellen berufen sich besonders auf den Bremer Rechtsanwalt, Publizist und Menschenrechtler, Rolf Gössner. Laut Gössner kann im Rahmen der militärischen „Amtshilfe“ sowohl die „Bekämpfung organisierter und militärischer bewaffneter Aufstä

ndischer“ oder „widerstrebender“ Bevölkerungsteile „ gemeint sein.

In den Eigendarstellungen der Bundeswehr werden die Kompetenzen der neuen Sicherheitskräfte dagegen sehr diffus beschrieben. Gerne werden für die Öffentlichkeit die populären humanitären Ziele, wie Katastrophensch

utz herausgestellt. Dies findet natürlich in Zeiten von Flut und Hochwasser erfreuliche Beachtung. 
Überhaupt sollte man die PR Funktion der RSU nicht unterschätzen und darf vielleicht sogar von einer neuen  Form des Militarismus sprechen. Explizit wird immer wieder betont, die Reservisten seien wichtige Mittler zwischen Armee und Zivilgesellschaft. Unsere heimlichen Helden für den Notall?

Verständlich ist auch die Kritik ziviler Hilfsträger, die eine Verharmlosung von Krieg und Gewalt anprangern, wenn Militärs sich eine „humanitäre Note“ geben. Ihre Loyalität eigenen Idealen und Spendern gegenüber ist in Gefahr, wenn sie sich von Militärs unterstützen lassen.

Welche politischen Ziele rechtfertigen, dass öffentliche Gelder in den Aufbau solcher Sicherheitskräfte gesteckt werden, statt die Infrastruktur ziviler Hilfsorganisationen zu stärken?

Die Bundesrepublik verfolgte nach den Erfahrungen der NS Zeit dass Ziel der klaren Trennung von Polizei, Militär und Geheimdienst. Löst man sich nun von dieser Strenge?

In der EU gibt es bereits entgegengesetzte Bestrebungen. Eurogendfor heißt die neue Gendarmerietruppe, der immer mehr EU Staaten beitreten und die Kompetenzen von Polizei, Kriminalpolizei, Armee und Geheimdienst für EU weite Einsätze bündeln soll.

Islamistischer Terror, wachsende und neue Formen sozialer Proteste, und auch Naturkatastrophen besonderen Ausmaßes als Folge des Klimawandels – konservative Regierungen sehen hier die Gefahren der Zuku

nft und begegnen ihnen mit dem Ausbau aller möglichen Mittel der staatlichen Gewalt. 
Digitale Überwachung , neue Waffentechnologien (Drohnen etc.) , Umstrukturierung der Armee, Legitimierung neuer Formen der Polizeigewalt, dies sind die Instrumente die neoliberale Politik begleiten. Eine Politik die in vieler Hinsicht die Ursache ist für die selbst wahrgenommene Bedrohung .

Nur ca. 80 Demonstranten folgten dem leisen Ruf einiger Institutionen, die zu Protest aufriefen vor Zollverein in Essen. Sehr traditionell, teilweise rückwärtsgewandt und uneins war der Protest und hätte in Form und Inhalt kaum Passanten oder Schaulustige erreicht. Aber das spielte sowieso keine Rolle angesichts der Tatsache, dass die Demonstranten von ebenso viel Polizisten so erfolgreich blickdicht vom öffentlichen Raum abgeschirmt wurden, dass der Protest zum reinen Selbstzweck degradiert wurde.

Symbolischer kann man das Bild nicht zeichnen, einer Politik und Gesellschaft, die Armee, Polizei, und Bürgern solche ungleichen Räume zuteilt.

Blockupy 2013 „Worum es geht?

Worum es geht, wenn man nach Frankfurt fährt zur Blockupy Demo kann ich letztendlich nur für mich beantworten.

Ich möchte dies tun, weil im Moment durch die Polizeieskalation inhaltliche Aspekte des Protests zu wenig diskutiert werden.

Auch bin ich genervt, von den Nörglern und Zögerern, die vom Namen angefangen,  an der Veranstaltung ewas auszusetzen haben, um formale Gründe zu finden, nicht mit anderen gemeinsam zudemonstrieren, obwohl sie die jetzigen gesellschaftlichen Verhältnisse genauso kritisieren, wie viele andere.

Ich habe Menschen gesehen, die gerne im Verbund und mit Fahnen gemeinsam auftreten. Ich habe Menschen gesehen die sich eine Botschaft auf das T-shirt,auf den Körper, auf ein Schild geschrieben haben. Ich habe Menschen gesehen,die sich verkleidet haben oder ganze Skulpturen gebastelt haben, um damit eineBotschaft auszudrücken.

Bei all diesen Menschen habe ich Botschaften des Widerstands und der Hoffnung gelesen und gesehen, die ich gut und richtig finde.

Auch wenn ich manche Methoden, die Ziele, Ideologien oder die Organisationen mit denen einige verbunden sind nicht uneingeschränkt gut oder richtig finde.

Ich bin glücklich, dass es Menschen gibt, die mit mir gemeinsam gegen dasselbe sind:

Dagegen, dass unsere Umwelt und Natur zerstört wird, ob zur Energiegewinnungoder um z.B. Bahnhöfen oder Shoppingmalls zu weichen oder weil die Agrarwirtschaftmit Pestiziden und Genmanipulation arbeitet.

Dagegen, dass Tiere massenhaft gequält werden, um billige und zudem schlechte, sogar gesundheitsgefährdende Nahrungsmittel herzustellen.

Dagegen, dass in den verarmten Ländern der Welt, Waren unter den unvorstellbarsten und sogar tödlichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, um in den reichen Nationen als Luxus- oder Billigware angeboten zu werden.

Dagegen, dass an Börsen mit Rohstoffen und Lebensmitteln spekuliert wird und die Börsianer damit den Hunger in der Welt zu einem Gewinnspiel für Aktionäre machen.

Dagegen, dass ein Großteil der Menschheit in Armut lebt und eine kleine Minderheit in Reichtum schwelgt und dass dieser Gegensatz immer extremer wird.

Dagegen, dass alle Lebensbereiche zur Ware werden. Kultur, Bildung, Gesundheit,Umwelt, Soziales und Persönliches: Alles kann und soll zu jeder Zeitgewinnbringend vermarktet werden können.

Dagegen, dass Werte wie Solidarität und Verantwortung, zu „Teamgeist und Leadership“ in Unternehmen werden und doch nur wieder der möglichst gewinnbringenden Vermarktung eines Produktes oder einer Leistung dienen, statt der Gemeinschaft.
Dagegen, dass diese Gewinne in private Vermögen oder Börsenspekulationen fließen, statt der Gemeinschaft, die sie erwirtschaftet zu Teil werden.

 

Dagegen, dass hierarchische Machtstrukturen gebunden an Prestige und/oder Reichtum die Gleichberechtigung und die Demokratie in allen Lebensbereichen behindern und verhindern.

 

Dagegen, dass Menschen nicht frei sind, dort zu leben wo sie es wünschen und wo sie sicher sind, sondern an Grenzen von der Freiheit und den Privilegien der anderen ausgeschlossen werden.

Ich könnte noch so viele Dinge aufzählen, viele Botschaften verkündeten in Frankfurt, was einem gerechten und guten Leben aller Menschen entgegen wirkt.

Ich habe bei Blockupy Menschen gesehen, die diese Verhältnisse nicht mehr wollen.

Welche Methoden, Ziele, Vorstellungen von einer anderen Welt wir alle haben, kann, darf und soll sich unterscheiden und ebenso übereinstimmen.

Wenn wir uns alle einig sind, dass diese Verhältnisse falsch sind, dann müssen wir es aushalten, dass der Aufbau einer neuen Gesellschaft einwidersprüchlicher Prozess ist.

In diesem Prozess ist die Einheit im Widerstand und der Wille zum Wandel die Basis von der die Veränderung gemeinsam ausgeht.

Wir informieren, organisieren und vernetzen uns weltweit.

Damit nichts bleibt so wie es ist.

 

Presse zur Performance / junges Museum Bottrop

Kunst als wissenschaftliche Versuchsanordnung

 Anabel Jujol spielt im Jungen Museum mit diesen Assoziationen.Welche Prozesse laufen im Gehirn ab, wie real sind die Bilder, die wir sehen oder wie lassen sich Sehen und Wissen, Illusion, Realität und Kunst zusammenbringen? Dies sind Fragen, mit denen die Künstlerin sich in ihrer Arbeit – und vor allem jetzt in ihrer Performance „Come Closer/Intravision 2013“ im Jungen Museum – auseinandersetzt.

Dort spürt sie aber weniger Hirnströmen nach. Vielmehr nimmt sie zum Teil eigene Arbeiten unter die sezierende „Lupe“, die als QR-Codes an der Wand mit einem I-Pad „gelesen“ werden können oder als lange Reihe willkürlich anmutender Bildsequenzen am Betrachter vorüberflimmern – sofern er die Videobrille aufsetzt. Anabel Jujol (geboren 1966 in Essen) spielt in ihrer gut zweistündigen Performance mit diesen vermeintlich wissenschaftlich daherkommenden Eindrücken, hinter denen bei aller Abstraktheit im Einzelnen immer wieder der Mensch im Gesamtkontext aufscheint.

Die unterschiedlichen Räume im Jungen Museum werden so zum Parcours des Denkens, Fühlens und Ertastens und stehen so sicherlich auch für die Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmung, sondern verweise auch ein fast hilflos anmutendes Ausgeliefertsein an ein System „Wissenschaft“. Ein längerer Aufenthalt – auf jeden Fall mehr als nur fünf Minuten – in diesen Gedanken-Räumen ist ernsthaft zu empfehlen.

Dirk Aschendorf

http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/kunst-als-wissenschaftliche-versuchsanordnung-aimp-id7832390.html

kulturgutEssen Ein Bürgerbegehren: Widerstand mit demokratischen Mitteln

Was sind das eigentlich für Menschen, die monatelang Unterschriften sammeln – dafür Termine organisieren, Pressetexteschreiben, tausende Nachbarschaftsbriefe verteilen, Sammelmappen auslegen und natürlich immer wieder auf der Straße und in Kneipen Leute ansprechen, sich einer emotionalen Achterbahn zwischen Zuspruch, Unterstützung, Erfolgserlebnissen und Durchhängern aussetzen, um eine Handvoll Essener Einrichtungen vor Personalkürzungen zu schützen? Was genau ist ihre Motivation?

Gerade zuletzt, beim Abholen einer Sammelmappe in einem Schreibwarenladen fragte mich die Verkäuferin, ob unsere Initiative eigentlich nur aus betroffenen Angestellten bestünde, die um ihre Stellen kämpfen.
Nein, weder die drei Vertretungsberechtigten sind selbst unmittelbar betroffen, noch die anderen Akteure, Erstunterzeichner, Sammler und Helfer. Das Engagement der Beteiligten basiert auf einer Motivation, die für einige Gegner des Begehrens nicht nachvollziehbar ist: Es geht um Solidarität mit den Nutzern der Einrichtungen. Es geht darum, für die gesellschaftliche Anerkennung von Kultur und Bildung zu kämpfen, auch wenn es um Einrichtungen geht, die kein internationales Renommé fördern und nicht von berühmten Direktoren geführt werden.

 

Der  simple Wunsch, jedem Bürger in der Stadt die bezahlbare Möglichkeit zu geben, sich zu bilden, kreativ zu werden, die Geschichte und interkulturelle Projekte aktiv zu erleben.

Wir, die Akteure und unsere UnterstützerInnen, sehen nicht ein, dass diese demokratische Forderung aufgrund der vielgepriesenen „objektiv betriebswirtschaftlichenKriterien“ nur ein Kostenfaktor ist, den man zusammenstreicht bis zur Schmerzgrenze.
Wir haben das Wohl aller BürgerInnen der Stadt im Sinn. Wir wünschen und gönnenallen alleinerziehenden Müttern und Vätern, Erwerbslosen, Aufstockern,Geringsverdienern, finanziell Belasteten, dass sie abends eine Sprache,Bewegungs- oder Entspannungstechniken lernen, sich beruflich oder aus Interesseweiterbilden können oder Yoga machen, aber auch, dass ihre Kinder für einMusical proben und dies, obwohl sie nur ein geringes Einkommen haben.
Diese Vorstellung von einem guten Leben in einer solidarischen Stadt haben derSchüler, die Künstlerin, der Lagerist, der Lehrer, der Berufspolitiker, dieGeigenlehrerin, die Studentin, die Erzieherin, der Pastor, der Komiker, derSänger, der Gewerkschaftler, die Professorin, die Praktikantin, der Anwalt, dashaben Menschen aus Essen unterschiedlichster Herkunft, miteinander gemeinsam.
Mehr als vier Monate haben wir gemeinsam für dieses soziale Verständnis vonKultur und Bildung gekämpft. Immer wieder haben wir versucht Wege zu finden,die Öffentlichkeit zu informieren und zu motivieren Widerstand zu leisten, wennauch nur mit einer Unterschrift auf einer Liste.

Widerstand gegen eine Politik, die Bürger inzwei Klassen spaltet, so dass Zugang zu Bildung und Kreativität bloß noch nachGeldbörse bestimmt wird.

 

In Essen hat die Mehrheit im Rat beschlossen,die Schulden der Stadt rechtfertigten diese Politik des Personalabbaus, unddieser Sachzwang ermögliche keine Alternativen. Dass dahinter ein politischerWille steht, wird in der Argumentation völlig ausgeblendet. Selbst einigeleitende Vertreter der betroffenen Einrichtungen sind davon überzeugt, dass dieVerschuldung der Kommune die vorgenommenen Streichungen unweigerlich bedingt.„In meiner Funktion bin ich gegen Ihr Anliegen und privat würde ich das Begehrenauch nicht unterschreiben“, gesteht mir der Leiter einer Einrichtung,„schließlich könnte dann die Grundsteuer erhöht werden und ich bin jaHausbesitzer“.
Als Widerstandsform und Akt des Ungehorsams gegenüber einer solch geeintenFront von Politik und Verwaltung ist ein Bürgerbegehren auf den ersten Blick vielleichtnicht gerade sexy. Ein Bannerdropping, ein Flashmob, eine Demonstration, eineBesetzung, das sind die Dinge, die schnell und spektakulär wirken, aber wedervon Machthabern noch Medien langfristig ernst genommen werden. Bürgerbegehrenerfordern Fleiß, Ausdauer, Nerven und ständige Auseinandersetzung mit denInhalten und Argumenten des eigenen Anliegens. Das Erreichen eines Quorums,  dann eines Bürgerentscheides und dasdirekte Einwirken auf kommunalpolitische Entscheidungen ist ein Ziel, für das sichdieser Aufwand lohnt.

Bürgerbegehren erhalten allerdings viel Beachtung der lokalen Presse. DerZeitfaktor, die konkreten AnsprechpartnerInnen, abgesteckte Erfolgsfaktorensorgen wie von selbst für einen Polit-Thriller mit „Fortsetzung folgt“ Charakter.Die gute Story ist garantiert.

Die lokale Presse ist das Steckenpferd vieler Kommunalpolitiker. Sie messendaran ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung. Die Kommentare der Lokalredakteure zu  Zahlenspielender Verwaltung, Drohbriefen des Kulturrats, Fristverlängerungen und Gutachtendes OB, werden von den Entscheidungsträgern ungleich ernster genommen als dieEssener Demonstration  zum Thema„Umfairteilen“.
Vielleicht sollten sie ab und an, wie die Linken es aktuell getan haben, ihrebequemen Ratssessel verlassen und Unterschriften für ihre Anliegen sammeln.
Dann wüssten sie, wer sich gar kein Tageszeitungs-Abo leisten kann, wer sich nur über das Internet informiert und wie die Essener sich ihre Meinung bilden.

Bereicherung und Erfolg muss man nicht in Geld und Prestige messen

Was die Akteure an Erfahrungen gemacht haben, in diesen Wochen und Monaten ist bei aller Anstrengung für jeden eine große Bereicherung. Hunderte von Gesprächen hat jeder einzelne zum Thema geführt, dabei den Blickwinkel vieler Bürger kennen gelernt. Trotz des enormen Aufwandes hat es Spaß gemacht, denn etwas gibt es in unserer Bürgerinitiative nicht: Machtspielchen, Autoritäten, Kompetenzgerangel, finanzielle Anreize, persönliche Vorteile, Einflussnahme der Wirtschaft.
Stattdessen durften wir eine „Projektarbeit“ erleben, in der alle gleichberechtigt, solidarisch, engagiert und vielfältig und konstruktiv für eingemeinsames Ziel arbeiten.

Wir müssen nur wollen: Mut zum Widerstand!

 

kulturgutEssen hat Menschen aufgefordert sich zu beteiligen, sich zu äußern und etwas Wirksames zu unternehmen, aktiv zuwerden in der Politik ihrer Stadt. Eine lebendige Demokratie braucht genau dies: Teilhabe, Interesse, Motivation und die Aussicht auf Wirksamkeit und sehr oft auch eines: Mut zum Widerstand.

Wir wünschen uns, mehr Menschen, die sich in Sachzwängen, Ämtern, Stellungen und Positionen gefangen fühlen, würden den Mut aufbringen, ihrem Verstand , ihrem Herz und ihrem Gewissen zu folgen und selbst Widerstand leisten. Dass dies möglich ist, zeigt der Fall der Hamburger ARGE Mitarbeiterin Inge Hannemann, die den Mutaufbrachte, die Verhältnisse anzuprangern die sie selbst in ihrem Amt schafft. Sie erlebt nun harte Sanktionen aber auch massenhafte Solidarität.

Verantwortungsgefühl und Widerstand kann jeden Rahmen sprengen – auch die engen Ketten der kommunalen Schuldenpolitik.

 

KulturgutEssen: …was ihr wollt und wie es uns gefällt!

 Als Vertretungsberechtigte des Essener Bürgerbegehren KulturgutEssen habe ich verschiedene Texte und Pressemitteilungen geschrieben.
Diese sind zum Teil auch im Blog kulturgutessen.de veröffentlicht.

Wenn es um Ausgabenkürzungen in öffentlichen Haushalten geht, hat man den Eindruck überschuldete Kommunen und Finanz- und Bankenkrisen seien Schicksalsschläge, denen man als Bürger hilflos ausgesetzt ist. Da hilft kein Jammern und Begehren: Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen. Sparen ist alternativlos, sonst kommt der böse Sparkommissar und wir haben gar nichts mehr zu melden.

Wenn also eine Stadt beschließt im Haushalt bei den  Kultur-, Bildungs- und Integrationseinrichtungen zu kürzen, tja, dann ist das nicht schön, aber nicht zu ändern.

Nicht zu ändern?

Warum denn nicht?
Weil dann woanders gekürzt wird und wer weiß was dann noch schlimmer ist.
Das ist die Antwort der Politiker und Verwaltungsorgane welche die Alternativlosigkeit ihres Handelns komplett verinnerlicht haben. Leider nicht nur sie, auch viele Bürger der Stadt glauben fest, das alles sei ein Muss.

Was aber, wenn dahinter ein Wille stünde und gar ein politischer? Was, wenn der Bund und die Länder aus politischer Überzeugung handeln, wenn sie das Steueraufkommen verteilen? Was, wenn es politischer Wille ist, maroden Banken auf die Beine zu helfen? Was, wenn es politischer Wille ist, Einrichtungen der Stadt zu privatisieren um die Gehaltsstrukturen von den öffentlichen Tarifen zu ab zu koppeln?

Steuerreformen der letzten Jahrzehnte haben durch die Senkung der Steuern auf Spitzeneinkommen, Kapitalerträge und Konzerngewinne die Umverteilung von unten nach oben nach und nach vorangetrieben.

Das muss sein, sagen die Entscheider. Das bringt Wachstum! Dann sind wir wettbewerbsfähig.

Was, wenn es das wichtigste Anliegen der Regierenden ist Märkte zu beruhigen?
Was aber wenn der Preis für diesen politischen Willen verarmte Kommunen wären,
weil ihnen keine Gelder und Rettungspakete oder Schuldenschnitte angeboten werden?

Wer repräsentiert dann die Menschen die in einer lebendigen Demokratie leben wollen und die Teilhabe aller Bürger an Kultur und Bildung, an Sport und anderen gesellschaftlichen Aktivitäten wünschen? Wer repräsentiert dann die Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können und mit Sozialhilfe aufstocken müssen?
Und wer erklärt sich solidarisch mit den vielen geringverdienenden, alleinerziehenden Müttern, die von Altersarmut bedroht sind. Wer setzt sich dafür ein, dass diese Frauen einen Sprachkurs in der VHS besuchen können? Wer möchte sicherstellen, dass ihre Kinder zum Ballett oder Fußball gehen, Klavier oder Geige lernen können? Wer interessiert sich für dafür, das alte Synagogen oder Stadtarchive historische Bildungsarbeit leisten können? Und wen kümmern die Projekte für Integration, die besonders ausländischen Kindern und Jugendlichen zu teil werden?

Nun, wenn es die regierenden Politiker nicht wollen und sich kein Lobbiest findet, dann müssen wohl die Bürger selbst einspringen. Dann ergreifen einige die Initiative und kämpfen gemeinsam für das Interesse der Demokratie und im Sinne des Gemeinwohls für die Menschen, deren Anliegen keinen Profit bringen, die keinen Wachstumsfaktor darstellen, deren Wunsch nach Kultur, Bildung und Integration als Belastung dargestellt wird.

Ich unterstütze das Bürgerbegehren kulturgutEssen, weil ich den politischen Willen habe, Dinge zum Positiven zu verändern und weil Kreativität und Wissen Güter sind, die eine Gesellschaft und eine Stadt für die Gestaltung ihrer Zukunft braucht.

Anabel Jujol
Künstlerin und Aktivistin/Occupy
Vertretungsberechtigte für das Bürgerbegehren: kulturgutEssen

Kulturgut Essen: Eine Stellungnahme

Essen 2030 -  Ein Fake

als Vertretungsberechtigte des Essener Bürgerbegehren KulturgutEssen habe ich verschiedene Texte und Pressemitteilungen geschrieben.
Diese sind zum Teil auch im Blog kulturgutessen.de veröffentlicht.

…kulturgutEssen: ein bürgerbegehren in der krise – eine stellungnahme (März 2013)

Wir wollen mit diesem Bürgerbegehren in erster Linie die Einrichtungen im kulturellen Bildungsbereich schützen. Gleichzeitig wollen wir einer Politik Einhalt gebieten, die suggeriert, neoliberale Strukturreformen seien alternativlos. Die euphemistisch als „Sparen“ bezeichnete Politik stellt zumeist nur ein Potpourri aus Privatisierung und Kürzung dar.

Es ist nicht der Rat und auch nicht der Bürger, der den Handlungsspielraum des Oberbürgermeisters in der Ausübung seines Amtes beschränkt. In der Kommunalpolitik sind das längst globale Finanzmärkte, Institutionen der EU, die Bundesregierung, die Länderparlamente usw., die über die Aufgaben und die finanziellen Möglichkeiten der Städte und Gemeinden entscheiden.

Der politische Handlungsspielraum, den sich die Stadt Essen beim freiwilligen Beitritt zum Stärkungspakt II selbst zugewiesen hat, ist durch die Kürzungsvorgaben dieser von oben verordneten Schuldenpolitik tatsächlich sehr eingeschränkt. Es ist aber nicht diese Situation, die der Bürgermeister problematisiert. Er könnte dafür eintreten, die kommunale Selbstverwaltung UND die Bürger mit mehr Möglichkeiten auszustatten, ihre Lebenswelt demokratisch, sozial und nachhaltig zu gestalten. Stattdessen versucht er, für seine Position scheinbar mehr Rechte zu erkämpfen, um seine Handlungsspielräume gegenüber seinen unmittelbaren Partnern in der Kommunalpolitik, den Bürgern, dem Rat und der Verwaltung, zu erhöhen.

Die angestrebte Verschiebung oder (in seinen Augen) Richtigstellung der kommunalen Entscheidungsbefugnisse funktioniert allenfalls als Placebo oder Ablenkungsmanöver, um darüber hinweg zu täuschen, welche finanzpolitischen Abhängigkeiten und Machverhältnisse dazu führen, dass Kommunen nur noch wählen können, wo und wie sie Leistungen streichen. Unser Oberbürgermeister, Herr Paß, scheint der Meinung, dass er bei dieser Kürzungspolitik das Wohl des Bürgers besser im Blick hat, als der Rat und die Bürger selbst.

Damit steigert er die Frustration der Bürger, die sehr wohl wissen, dass die scheinbare Alternativlosigkeit der Schuldenpolitik eine bittere Kröte ist, die zu Lasten des Bürgerrechts auf soziales Leben geschluckt werden muss.

Damit leistet Paß einen weiteren Beitrag dazu, dass der Druck im Kessel der repräsentativen Demokratie steigt.

Denn nicht nur in Spanien, Portugal und Griechenland rufen die Bürger bei Protesten gegen die Kürzungspolitik ihren Politikern zu: “Ihr repräsentiert uns nicht”. In Deutschland kennt man spätestens seit Stuttgart 21 das Wort vom “Wutbürger”.   Wann erkennt Herr Paß, dass nicht der Rat und die Bürger das Problem sind, sondern die Streichungen. Vielleicht bestellt ja in Zukunft ein Bürgermeister ein Gutachten, dass die rechtliche Grundlage zur Einschränkung der kommunalen Selbstverwaltung durch Stärkungspakte in Frage stellt und sich mit der Finanzierung der Kommunen beschäftigt.   Dann müssten Bürger für Ihre Bibliotheken, Volkshochschulen, Musikschulen, Stadtarchive etc. nicht gegen den eigenen Bürgermeister kämpfen.

Dann kann man darüber nachdenken, wie man Bürger tatsächlich beteiligt an kommunaler Stadtentwicklung und Gestaltung.

Dann werden Show-Projekte, wie Essen 2030, ernst zu nehmende strategische Beteiligungsprojekte.

Stell dir vor: Essen 2030 – Eine Stadt, in der die Bürger ihre Lebenswelt demokratisch aktiv gestalten – und der Oberbürgermeister macht mit!

Anabel Jujol , Initiative kulturgutEssen

http://kulturgutessen.de/kulturgutessen-ein-burgerbegehren-in-der-krise-eine-stellungnahme/

 

 

COME CLOSER – INTRAVISION 2013 – PERFORMANCE/INSTALLATION – junges Museum Bottrop

Das Konzept/ die Vision:
Das Bewusstsein ist im Gehirn verortet. Jeder Gedanke kann am Monitor visualisiert werden. Die Kunst ist im Wandel. Der Gedanke entwickelt eine eigene optische Ästhetik, unabhängig von jeglicher Bedeutung. Die Künstlerin ist Schöpferin kunstvoller Gedanken. Das Atelier der Künstlerin ist ihr Labor. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren visualisiert sie künstliche, künstlerische Abbildungen ihrer Gedanken.

Offenes Labor: Einzeln kann der Gast das Labor betreten und Zeuge und Teilnehmer des Schaffensprozesses /Experimentes werden. Im künstlichen Licht bei fremder Geräuschkulisse ist er allein mit der Künstlerin. Nach dem Besuch werden die persönlichen „Bilder“ auf einer Videobrille zur individuellen Betrachtung zur Verfügung gestellt. Barcodes vermitteln “Botschaften” aus der Kunst.

Datum:
Donnerstag, 18. Juli 2013, 18:00-21.00 Uhr
Donnerstag, 11. April 2013, 18:00-21.00 Uhr

Eintritt:
Kein EintrittVeranstaltungsort/Adresse:

Blumenstraße 12-14, 46236, Bottrop

Presse:

Die unterschiedlichen Räume im Jungen Museum werden so zum Parcours des Denkens, Fühlens und Ertastens und stehen so sicherlich auch für die Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmung, sondern verweise auch ein fast hilflos anmutendes Ausgeliefertsein an ein System „Wissenschaft“. Ein längerer Aufenthalt – auf jeden Fall mehr als nur fünf Minuten – in diesen Gedanken-Räumen ist ernsthaft zu empfehlen.

http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/kunst-als-wissenschaftliche-versuchsanordnung-aimp-id7832390.html