„Akduell“ zum Trauermarsch in Düsseldorf

http://akduell.de/2015/04/mehr-ohnmacht-als-wut/
trauermarschakduell

Am Samstag, den neunten Mai, wird in Düsseldorf ein weiteres Mal gegen die europäische Grenzpolitik protestiert. Hierbei steht allerdings weniger die Kritik der Täter*innenseite im Mittelpunkt, sondern die Trauer um die Opfer. Veranstalter*innen sind das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf (PSZ), Amnesty International, Occupy Düsseldorf und die Künstlerinnen Mizgina Rengin und Anabel Jujol.
Am Martin LutherPlatz startet der Marsch um 12 Uhr. In Trauerkleidung und mit Leichensäcken geht es dann zum Rheinufer. „Es ist vielleicht schwer auszuhalten“, warnen die Veranstalter*innen, „aber immer noch leichter als zwischen Verdrängung, Ohnmacht und Gleichgültigkeit zur Tagesordnung überzugehen, als wäre und würde nichts geschehen.“

Gemeinsam mit Annette Windgasse vom PSZ hatte Jujol bereits 2013 einen vergeichbaren Trauermarsch veranstaltet. Damals sei die Idee spontan in sozialen Netzwerken entstanden. „Wir waren knapp 50 Personen und haben dann improvisiert: Müllsäcke mitgebracht, die irgendwie ausgestopft und mit weißen Kreuzen sichtbar gemacht“, erkärt die Künstlerin, die für die PARTEI-Piraten-Fraktion im Essener Stadtrat sitzt. Diesmal seien die Anmeldezahlen viel höher. Um den Marsch optisch noch realistischer zu gestalten, wurden professionelle Bodybags bestellt. Während des Marsches soll klassische und nordafrikanische Trauermusik gespielt werden. Die Künstlerin erzählt: „Das war 2013 sehr emotional und noch dazu kam, dass wir stumm und für eine Demonstration extrem langsam waren.“

Wut und Mitgefühl

Jujol will aus dem Mitgefühl heraus Energien für den Protest aktivieren, anstatt sich nur an den politischen Gegner*innen abzuarbeiten. Kämpferische Demonstrationen lehnt sie aber nicht ab: „Das ist kein Entweder-Oder, sondern zwei Varianten, die beide ihre Berechtigung haben.“ In Politik und Protest würden aber generell zu wenig Emotionen reflektiert. „Wir versuchen immer Emotion auszuklammern“, beklagt die Künstlerin, „Wut ist ok, Freude oder Trauer sind aber schwieriger.” Durch das Öffentlichmachen der eigenen Trauer könne diese einen authentischen Ausdruck gewinnen, sagt Jujol: „Man wird sich klar, wie man da wirkt und das macht etwas mit einem. Dann kann man durchatmen: Jetzt habe ich getrauert und jetzt kann ich kämpfen, aber eben auch in der Reihenfolge.

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