KAPITAL & KIRCHE: Rendite versus Moral – Redebeitrag, goldenes Kalb, Dez 2013

Redebeitrag von Doris Dams (Occupy Düsseldorf)

KAPITAL & KIRCHE: Rendite versus Moral‘

Die Aufregung über den Limburger Bischof war groß: 31 Millionen Euro hat Tebartz van Eltzt in den Bau seines neuen Amtssitzes gesteckt. Deshalb wurde er vom Papst in ein bayerisches Kloster verbannt, wo er bis heute sitzt. Doch 30 Mio. Euro. das ist für unsere Kirchenfürsten gar keine ungewöhnliche Summe.
Die Kapitalanlagegesellschaft der katholischen Kirche, die Aachener Grund und Boden, kauft sich fleißig quer durch die Republik mit solchen Summen in Ia-Immobilien in deutschen Großstädte ein. Bevorzugt auf der Düsseldorfer Königs-allee. Hier wurden in den letzten Jahren gleich vier stattliche Häuser übernommen. Die Christengemeinde hat sich darüber nicht aufgeregt.

Die katholische Kirche, die sich angesichts der Kirchenaustritte über den finan-ziellen Aderlass beklagt, ist nicht arm sondern reich. Sehr reich sogar. Genau weiß dies aber keiner. Transparenz zu schaffen über die Kirchenschätze, dies kommt der Kirchenobrigkeit nicht im Sinn. Die meisten Bistümer kennen ihre Vermögens-bestände nicht genau.
Auf jeden Fall ist das Erzbistum Köln mit einem ausge-wiesenen Vermögen des Bischöflichen Stuhls – so lautet der kuriose Begriff für den Haushalt für den der Bischof alleine zuständig ist – von 160 Mio. Euro finanzieller Spitzenreiter des deutschen Katholizismus. Als großer Kapitalgeber ist das erzkatholische Kölner Bistum auf sichere und lukrative Geldanlagen bedacht.

Für den Erwerb von teuren Immobilien auf den stark frequentierten Shopping-meilen Düsseldorfs blätterten die Vermögensverwalter im Auftrag der katholischen Kirche in nur sechs Jahren ungerührt mehr als 220 Millionen Euro hin. Und dies ist wahrlich kein Pappenstil. Der Grund: Düsseldorfs Prachtmeilen befinden sich im Aufschwung, was die Mietpreise nach oben treibt. Bis zu 230 Euro pro Quadrat-meter berappen die Mieter der Edelstores. Ein Geschäft mit 100 qm Fläche und etwa sechs Metern Schaufensterfront bringt dem Besitzer jeden Monat also stolze 23.000 Euro Miete ein, pro Jahr macht das 276 Tsd. Euro. Und große Modefirmen wie Esprit, H&M, Armani und bekannte Luxuslabels sind bereit, solche Summen zu berappen. Ausschlaggebend ist das internationale Renommee der Königsallee.

Die Investoren im Dienst der Kirche nehmen es ungerührt in Kauf, dass in ihren Immobilien Textilien verkauft werden, die unter wahrlich ausbeuterischen Verhältnissen in den ärmsten Ländern der Welt hergestellt werden. H& M, Esprit und C&A, sie alle lassen ihre Textilarbeiter in Bangladesh wie Sklaven unter erbärmlichen, oftmals tödlichen Bedingungen schuften. Der monatliche Mindestlohn für Beschäftigte der Textilwirtschaft liegt in dem zweitgrößten Exportland für Textilien trotz der Streikwelle in den Fabriken für höhere Löhne bei umgerechnet 28 Euro. Um die Monatsmiete für die Kö-Filiale zu amortisieren, müsste eine Textilarbeiterin in Dhaka in etwa 1000 Monate schuften.

Die reichen Bistümer in NRW blendet die Moral bei ihrer Art der Vermögensanlage aus. Dabei werden durch das Kirchenrecht die kirchlichen Investoren ausdrücklich aufs Gemeinwohl verpflichtet. Mit blumigen Worten wird den renditeträchtigen Investments in Ia-Einzelhandels-lagen ein soziales Image verpasst. Demnach geht es bei den 113 Millionen schweren Immobilieninvestments der Kirche auf der Kö – man höre und staune – um ‚sozialen‘ Reichtum, wie die „Pflege des Kulturraums in seiner gewachsenen Gestalt, den schonender Umgang mit der natürlichen Umgebung, Konservierung von identitätsstiftenden Altbauten und sinnprägende Architektur.

Derzeit beklagt der Diözesan-Caritasverband den eklatanten Anstieg der Wohnungslosen in Erzbistum Köln. Dem Raum, wozu auch die Landeshauptstadt Düsseldorf zählt. Rund 20.000 Menschen sind obdachlos. Der katholische Caritasverband fordert die Regierung und die Kommunen auf, dringend mehr bezahlbare Wohnungen vor allem in den Städten Köln, Düsseldorf und Bonn zu schaffen. Warum investiert dann die Kirche nicht selbst in den Wohnungsbau? Mittel sind ja reichlich vorhanden.

Doch über Besitz und Geldtransaktionen wird möglichst wenig geredet. Die Versprechen, künftig mehr Transparenz zu schaffen, klingen hohl. Denn durch Schattengeschäfte wird der ungeheure Reichtum der Kirche systematisch verschleiert. Es wäre gut, wenn die katholische Kirche statt immer mehr Reichtum anzuhäufen im Sinne des Papstes mehr für die Armen, Ausgestoßenen und Alten tun und statt in Luxusimmobilien in preisgünstige Mietwohnungen investieren würde.

Doris Dams von Occupy Düsseldorf

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